Korrigenda

Eigentlich hätte der Titel dieses Beitrages ja «von Hobbys und Talenten» heissen sollen, aber zu oft habe ich mich schon über falsche Fakten geärgert, sei es in Online- oder Printmedien, oder, in letzter Zeit besonders schlimm, bei mir monatlich per E-Mail zugestellten Finanzmarktpublikationen, dass ich nicht umhinkomme, hier zuerst eine Korrektur einzufügen. Es betrifft dies den kürzlich veröffentlichten Beitrag mit dem Titel «Paradies», worin ich womöglich zu voreilig über das Paradies geurteilt habe, wobei ich zu meiner Ehrrettung anfügen möchte, dass ich damals noch nicht wissen konnte, was wir jetzt hier vorfinden würden. In dieser Hinsicht finde ich meinen Fehler doch ein wenig verzeihbarer als die oftmals dilettantischen Fehler, welche mit ein wenig mehr Recherche oder Fachwissen oder einfach nur mit grösserer Sorgfalt durchaus vermeidbar wären.

Dass wir hier – sozusagen im neuen Paradies – überhaupt landen werden, hätten wir am Anfang unserer Reise sicher nicht gedacht und verdanken wir, so arrogant es auch klingen mag, einem Hobby und Talent von mir. Es gibt ja Sachen im Leben, die man gern macht und dann gibt es noch Sachen, die man gut macht. Idealerweise trifft es sich so, dass man die Sachen, die man gern macht auch gut macht; dies ist jedoch beileibe nicht immer der Fall. In meinem Falle spiele ich zum Beispiel gerne Tennis, aber meine Fortschritte dabei bleiben ehrlicherweise im jämmerlichen Rahmen. Noch schlimmer sind die Sachen, und dies sollte ich der Vollständigkeit halber noch anführen, die man nicht gerne macht und in denen man dazu noch völlig schlecht ist, aber man macht sie trotzdem. Wie dieses Phänomen heisst, weiss ich nicht, vielleicht kann da ein Psychologe Auskunft geben – bei mir fällt zum Beispiel das Laufen eines Halbmarathons in diese Kategorie.

Etwas, das ich jedoch seit jeher gerne und, zumindest meiner Ansicht nach, gut mache, ist die Organisation von Reisen. So war dieser Tag im Dezember, an welchem wir die Planung des Fluges von Mittelamerika nach Australien in Angriff nahmen, sowas wie ein Glückstag für mich. Mit vollem Eifer setzte ich mich an den Computer, nur um wenig später herauszufinden, dass diese Aufgabe um einiges schwieriger wird als erwartet. Ein geschätzter Ex-Arbeitskollege von mir antwortete einst auf die Frage, was er den ganzen Tag so mache mit «am liebsten den Computer arbeiten lassen». Ohne die Aussage in ihrer Einzelheit werten zu wollen, ist der Gedanke an und für sich nicht so falsch, wenn dann die Input-Daten stimmen und vor allem, wenn man den Output richtig zu deuten weiss. In unserem Falle gab es leider zu viele mögliche Input-Daten – sowohl unser Abflugort als auch das Datum waren nicht festgelegt – und darum Millionen von möglichen Ergebnissen. Zu allem Unglück wurde mir der Zugang zu meiner Lieblingsseite nach einigen Stunden auch noch gesperrt, mit der Begründung, dass aufgrund der Häufigkeit der Abfragen der Verdacht bestehe, dass hier unerlaubterweise ein automatisches Computerprogramm am Werke sei. So viel zum Thema «den Computer arbeiten lassen».

Der Output war bis zu diesem Zeitpunkt relativ bescheiden. Nachdem wir die Anzahl Tage in Mittelamerika – nämlich 39 – sowie das Abflugland Costa Rica festgelegt hatten, wurde zumindest klar, dass wir nicht umhin kamen in den USA oder in Kanada einen Zwischenstopp einzulegen. Alles andere blieb vorerst unklar. Ein paar Stunden später blieben zwei Varianten: Eine Summe im vierstelligen Bereich pro Person ausgeben für einen One-Way-Direktflug mit einer qualitativ minderwertigen amerikanischen Airline oder noch mehr ausgeben und dafür einen Stopover von ein paar Tagen auf den Fiji-Inseln einlegen. Wir entschieden uns für die Fiji-Variante, obwohl auch diese weit weg war von der angestrebten, perfekten Lösung. Fiji war im Übrigen auch die meist genannte Destination nach unserem letzten Blog-Beitrag. Somit Glückwunsch allen, die auf Fiji getippt haben. Ihr seid wirklich nahe dran gewesen. Da ich in gewissen Sachen aber durchaus ein Perfektionist bin, wurde diese Buchung jedoch nicht vollzogen.

In der nächsten Nacht – ich «arbeitete» vorzugsweise in der Nacht, wenn Martina ihren wohlverdienten Schlaf genoss – belagerte ich den Hotelcomputer erneut für einige Stunden, wenngleich auch einiges erfolgreicher. Die stundenlange Suche zeichnete sich morgens um 2 Uhr endlich aus: Bei Singapore Airlines, wohlgemerkt eine der besten Airlines der Welt, konnte man mit gewissen Kniffs einen Flug von einigen amerikanischen Städten nach Singapur buchen für den Preis von rund USD 100 pro Person plus Taxen. Dass dies einen ziemlich grossen Umweg bedeutet und daher ökologisch keinen Sinn macht, war mir durchaus bewusst, doch die Aussicht, nicht 15 Stunden in einem Flugzeug einer US-Airline sitzen zu müssen und dafür zu allem noch teures Geld zu zahlen, war durchaus verlockend. Sozusagen als Joker konnte man von Singapur aus noch kostenlos einen Flug in eine Destination im Umkreis von gewissen Kilometern anhängen. Schnell wurde eine Karte konsultiert, um zu sehen, welche spannenden Orte sich in der Umgebung befinden. Die Wahl fiel schliesslich auf Bali, eine Insel, die Martina schon seit längerem als mögliches Feriendomizil in Betracht gezogen hatte. Somit fiel es auch nicht schwer, sie am nächsten Morgen von meinem Vorhaben zu überzeugen, auch wenn die Dauer des Fluges von Los Angeles nach Singapur mit 21 Stunden doch eher lang schien. Los Angeles – Singapur – Bali für rund USD 400 inkl. Taxen (wovon knapp 300 die Taxen sind), doch das hörte sich richtig an und so wurde dieser Flug gebucht.

Als nächstes ging es darum, das richtige Hotel zu finden. Bei einer Auswahl von über 6’000 Hotels auf der Insel nennt man dies wohl die «Qual der Wahl». Da ich gleichzeitig mit dem Entscheid, ein paar Tage in Bali zu verbringen, einen weiteren Plan entwickelte, musste es für dieses Vorhaben das absolut perfekte Hotel sein. Um Martina die Mitsprache zu verweigern – wie böse – schenkte ich ihr diesen Aufenthalt zu Weihnachten, obwohl wir angeblich ausmachten, uns dieses Jahr nichts zu schenken. Aber wer hält sich schon an solche Abmachungen. Somit hatte ich freie Hand. Um mir den Entscheid leichter zu machen, definierte ich ein paar Parameter, die erfüllt sein müssen. Leider schränkte dies die Hotelauswahl nur auf rund 50 Hotels ein – wie soll man da das richtige finden? Da es unmöglich ist bei 50 Hotels alle eingehend zu prüfen, machte ich es mir relativ einfach. Denn eines dieser Hotels der „Shortlist“ gehört zu einer Hotelkette von nur drei Hotels weltweit, wovon das neuste in den Urner Alpen steht. Da ich von ebendiesem Hotel im Kanton Uri bis jetzt nur positives gehört habe, entschied ich mich kurzerhand, das Pendant in Bali zu buchen.

Ja und hier sind wir nun, in diesem paradiesischen Hotel in Bali. Nebst ein paar «gewöhnlichen» Zimmern vermietet dieses Resort auch Villen. Unsere Villa hat eine Totalgrösse von über 200 Quadratmetern, der eigene Pool eignet sich tipptopp zum Schwimmen und die täglichen Massagen werden direkt im Massagezimmer in unserer Villa durchgeführt. Unser persönlicher Butler steht uns rund um die Uhr zur Verfügung, bringt uns unser Frühstück – ich habe tatsächlich den gewünschten Schweizer Greyerzer auf den Teller bekommen, ein Genuss – zusammen mit der Tageszeitung zur gewünschten Zeit ins Zimmer, hat die Cola-Dosen in der Minibar selbstverständlich anstandslos gegen die präferierten Cola-Zero-Dosen ausgetauscht und auch die Vodka-, Gin- und Whisky-Flaschen werden bei Bedarf täglich wieder aufgefüllt. Doch, an so ein Leben kann man sich ganz schnell gewöhnen.

Fast vergessen: Da war ja noch der Grund, wieso ich überhaupt dieses Hotel ausgewählt habe. Für den zweiten Abend unseres Aufenthaltes hatte ich für uns ein Candle-Light-Dinner inmitten des riesigen Reisfeldes, welches unsere Hotelanlage umringt, geplant. Die Planung per E-Mail im Vorfeld war nicht ganz einfach, doch unser Butler wusste schlussendlich genau, was zu tun ist. Aufgrund des regnerischen Wetters musste das Dinner zwar vom Reisfeld ins Restaurant verlegt werden, doch das exquisite Menü war ausgezeichnet und das Dinner verlief perfekt. Sie hat «ja» gesagt. Wobei dies gar nicht mehr nötig gewesen wäre, da Martina, ironischerweise, mir am selben Tag zuvorgekommen ist und mit mir das gleiche Spiel geplant hatte. Ja, am selben Tag. Da ich ihr auf ihre Nachfrage hin deutlich machte, dass das Überraschungs-Abendprogramm nicht zu verhandeln sei, hat sie ihren Plan um ein paar Stunden vorverschoben. Ganz nach dem Motto: „Dä schnäller isch de gschwinder“. Die ganze Planung, die ganzen E-Mails, die ganze Sorge, dass auch ja alles perfekt verläuft und dann kommt DAS dazwischen. Ich habe in Gedanken viele Szenarien durchgespielt, was schieflaufen könnte. Aber auf diese Idee wäre ich niemals gekommen. Aber zumindest sind wir einer Meinung, das ist schliesslich die Hauptsache. Ach ja, ich glaube unser Butler war noch verwirrter als wir selbst und wusste schlussendlich auch nicht mehr, wer jetzt wann mit wem welche Überraschung geplant hatte. Wir geniessen nun noch einen weiteren Tag in unserem Paradies, bevor es dann morgen definitiv nach Australien geht und wir in Townsville unser Mietauto für die nächsten 25 Tage übernehmen werden.

So, ganz am Schluss kann ich es ja zugeben: Das langwierige und uninteressante bla-bla-bla am Anfang war Absicht, damit diejenigen «belohnt» werden, welche sich den Beitrag bis zum Schluss antun.

7 Gedanken zu “Korrigenda

  1. ha bes z’letscht gläse. Sooo guet, härzlechi gratulation. Gniessid de räscht no i volle zög. De näbu dehäime lockt schliessli ned

  2. Ohhhh, wie wunderbar! Herzlich Gratulation! –<-@
    Mier freued es für und mit Euch! Liebe Grüess und en Umarmig
    Dani, Nils, Lia und Susanne
    PS: Wie heisst es doch so schön: Das Beste kommt zum Schluss 😉

  3. au dis „Lieblingstanti“ isch wieder mal am läse, üchi spannende Reisebricht, so was vo cool!! Mängisch chli spat ,wie ich etz grad feststelle:-)
    Gratulation au vo minere Site, ich freu mich für üch:-)

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