Bienvenidos a Bolivia

Freitagabend, 18 Uhr. Wir haben Durst. Alle. Zuhause hätten wir nun den Kühlschrank geöffnet, uns ein kühles Getränk ausgewählt und das Problem wäre gelöst gewesen. Vielleicht hätten sich keine Getränke im Kühlschrank befunden, dann hätten wir uns halt ausnahmsweise mit Leitungswasser begnügt. Doch an diesem Freitagabend stand uns keine der beiden Optionen zur Verfügung. Eben erst von einer 3stündigen Wanderung zurückgekehrt waren unsere Wasservorräte zu Ende. Das nächste Boot mit Wasser wird erst morgen früh um 9 Uhr hier Halt machen. Bis dahin besteht die einzige Alternative aus dem verdreckten Wasser aus dem Bächlein nebenan. Aber schliesslich trinken die Wildschweine auch täglich dort, um ihren Flüssigkeitshaushalt wieder in Ordnung zu bringen. Bienvenidos a Bolivia!

Dabei hatte unser selbsternannter Highlight-Monat acht Tage zuvor ganz gemütlich begonnen. Wir befanden uns in einem Dörfchen, in dem man das Wort Hektik nicht kennt: San Pedro de Atacama, eine Oase mitten in der Atacama-Wüste in Chile. Schon bald merkten wir, dass dieses kleine Dorf gänzlich auf Touristen ausgerichtet ist. Dutzende verschiedene Touren von noch mehr verschiedenen Touranbietern könnte man von hier aus unternehmen. Wir hatten vier Tage zur Verfügung, wovon der erste für die Organisation der Touren genutzt wurde. Für die restlichen drei Tage buchten wir vier verschiedene Aktivitäten. Schliesslich will man ja auch was sehen, wenn man schon mal da ist.

Die erste Tour führte uns ins Valle de la Luna, das Mondtal. Das ein wenig ausserhalb von San Pedro gelegene Tal heisst so, weil es auf dem Mond angeblich ähnlich aussieht. Die Tour war als Einstieg perfekt. Die Formationen, die wir zu sehen bekamen, sowie unsere Tour, eine Mischung aus wunderschönen Aussichtspunkten und leichten Wanderungen, erinnerten uns entfernt an den Bryce Canyon Nationalpark in den USA. Unser Guide wusste viel zu erzählen und bei dem Punkt, bei dem sich die Schamanen jeweils trafen um die Befehle der Berge zu empfangen, konnten wir die Berge sogar wirklich sprechen hören. Zumindest ein wenig. Vielleicht.

So soll es also auf dem Mond aussehen...

Am nächsten Tag sollte sich unsere Reisegruppe um eine Person erweitern. Nicole geniesst im Moment ebenso das Leben wie wir und hat sich entschieden, die nächsten zwei Wochen mit uns zu reisen. Dabei hat sie mir völlig freie Hand gelassen, was die Gestaltung des Programms anbelangt. Dies sollte sie in den nächsten Tagen noch öfters bereuen. Als Willkommenstour führten wir sie zur Laguna Cejar. Diese kleine Lagune ist bei Touristen besonders beliebt, da sie extrem salzhaltig ist und man sich deshalb analog dem Toten Meer auf dem Wasser treiben lassen kann. Dass das Wasser dabei eher kalt ist – kein Wunder bei einer Höhe von 2’400 Metern über Meer – haben wir erst bemerkt, nachdem der Eintritt von umgerechnet 25 Franken bereits bezahlt war. Nicole mag kaltes Wasser nicht, aber da mussten wir nun durch. Schlussendlich war es nicht so schlimm und natürlich kein Vergleich zur traditionellen Badeplätzli-Eröffnung am 14. Mai. Die, die dieses Jahr dabei waren, wissen, was wir meinen. Das Baden war ziemlich interessant, der richtige Spass folgte jedoch erst danach. Auf Anraten eines Einheimischen verzichteten wir auf die Benutzung unseres Handtuchs und liessen uns lediglich von der Luft trocknen. Was zurückblieb waren drei schneeweisse Körper. Aufgrund der gebildeten Salzkrusten waren auch die ausgeführten Bewegungen dann nicht mehr ganz schmerzfrei. Irgendwie noch witzig.

Langsam am trocknen, das Salz bleibt zurück.

Am nächsten Tag wurde ich bereits das erste Mal mit der Frage «Wer hed das planet?» konfrontiert. Ich war’s. Tagwache war um 3.45 Uhr. Die erste von zwei Aktivitäten sollte uns zu den Geysiren El Tatio, rund 90 km ausserhalb von San Pedro führen. Da diese Geysire rund um den Sonnenaufgang am aktivsten sind, war die frühe Abfahrt nicht zu vermeiden. Auf rund 4’300 m ü.M. gelegen sind die El Tatio Geysire angeblich die höchstgelegenen Geysire der Welt – dass wir am Folgetag einen Geysir auf knapp 5’000 Metern Höhe bestaunen werden, wussten wir da ja noch nicht. Die Geysire waren unseres Erachtens ganz ok, mehr aber auch nicht. Nicole gefiel es ein wenig besser, was wohl daran liegt, dass sie noch nie im Yellowstone-Nationalpark war. Die anonym durchgeführte Umfrage ergab einen Punkteschnitt von 6.33 auf der Skala von 1-10.

El-Tatio-Geysire kurz nach Sonnenaufgang.

Der zweite Programmpunkt des Tages dauerte von 23 Uhr bis 2 Uhr morgens. In Anbetracht der Tatsache, dass wir an diesem Morgen vor vier Uhr morgens aufgestanden waren, war die Frage nach der Planung wohl nicht ganz unberechtigt. Trotzdem war dies dann der unbestrittene Höhepunkt unseres San Pedro-Aufenthalts. Rund 20 Minuten ausserhalb des Dorfs, fernab von jeglichen Lichtquellen, besichtigten wir den Sternenhimmel. Die Atacama-Wüste soll gemäss Astronomen der weltweit beste Ort zur Sternenbesichtigung sein. Wir standen da und staunten einfach nur. Sowas hatten wir noch nie gesehen. Der Kanadier John erklärte uns dann ausführlich die verschiedenen Sternbilder, gab den Sternen Namen, von denen wir am nächsten Tag 90% wieder vergessen hatten, zeigte uns mehrere Planeten am Himmel und liess uns dann auch noch Teleskope für Nahaufnahmen benutzen. Fantastisch was sich da alles am Himmel tummelt. Was für ein Abschluss nach ziemlich genau einem Monat Chile!

Denn bereits 7 Stunden später hiess es dann: Bienvenidos a Bolivia. Nachdem wir an diesem Tag ausschlafen konnten – Tagwache war erst um 6.30 Uhr, das gab immerhin vier Stunden Schlaf – wurden wir von unserem Fahrer abgeholt und an die chilenisch-bolivianische Grenze gebracht. Dort startete unsere 3-Tages-Tour welche uns zu den beiden Highlights von Südwestbolivien, den Nationalpark Andina Eduardo Abaroa und den Salar de Uyuni, den grössten Salzsee der Welt, führen sollte.

Grenzkontrolle. Bienvenidos a Bolivia.

Beim Frühstück lernten wir Hugo kennen, einen 24jährigen Bolivianer, der für die nächsten Tage unser Organisator, Fahrer und Koch sein sollte. «Uns» das waren wir drei, Konstantin (23) aus Aachen und Waldemar und Margarete (beide über 50, sieht man ihnen aber nicht an), zwei Polen, wohnhaft in Wien.

Unsere Gruppe für die Uyuni-Tour. Der Fotograf ist nicht Fotograf von Beruf.

Mit unserem Toyota Land Cruiser machten wir uns auf den Weg. Hugo hatte seinen iPod mit allerlei westlichen Hits gefüttert, was ganz ok war, auch wenn «Wiggle» von Jason Derulo vielleicht das eine oder andere Mal zu viel lief. Unser erster Eindruck von Bolivien war nicht unerwartet sensationell. Eine wunderschöne Vulkanlandschaft wechselte sich ab mit kleinen Seen in den unglaublichsten Farben.

Bolivianisches Hochland.

Nach zwei Stunden Fahrt konnten wir uns in einer heissen Therme entspannen, auch wenn wir dafür unglaubliche 90 Rappen Eintritt zahlen mussten. Abzocke. Weiter ging es entlang von diversen Vulkanen zum Geysir Sol de Manaña auf rund 5’000 Metern Höhe. Gemäss Hugo war hier vor einer Woche ein Tourist verstorben. Beim Versuch ein besonders spektakuläres Foto zu schiessen, war er in den Geysir hineingefallen. Dumme Touristen. Zum Abschluss dieses Tages, der sich besser in Bildern als in Worten ausdrücken lässt, bezogen wir unser Zimmer. Hugo hatte uns bereits vorgewarnt, dass das Zimmer ungeheizt sei und die Ausstattung «very basic». Allerdings hätten wir Glück, denn im Winter könne es hier in der Nacht bis zu -30°C kalt werden, wir müssten etwa mit -5°C rechnen. Bienvenidos a Bolivia.

Gemütliche Betonbetten für unsere Sechsergrppe.

Die Zeit bis zum Abendessen verbrachten wir in lustiger Runde mit Aufwärmen bei heissem Kaffee und Schokolade. Die Stimmung war ausserordentlich gut, bis zu dem Zeitpunkt als wir beim Thema Skispringen angelangt waren. Die Rede war von Simon Ammann und Adam Malysz und diesem anderen Polen da, der jetzt so gut ist, dessen Name partout niemandem in der Runde einfallen wollte. Ich fand dies überaus peinlich und irgendwann nervte es mich so, dass ich Google um Hilfe fragen musste. Zumindest bin ich mir sicher, dass ich dies zuhause getan hätte. Doch hier, fernab von jeglicher Zivilisation, hatten wir natürlich kein Internet. Bienvenidos a Bolivia.

So diskutierten wir den ganzen Abend old-fashioned und wenn jemand etwas behauptet, zum Beispiel, dass Karl Marx zwischen 1810 und 1820 geboren worden sein muss und zwar in Trier, dann muss man es halt glauben. Eigentlich noch ganz cool so. Ach ja, die darauffolgende Nacht war dann weit weniger schlimm als befürchtet, man könnte sogar sagen: ganz angenehm.

Auch der zweite Tag unserer 3-Tages-Tour führte uns zu vielen schönen Ecken im bolivianischen Hochplateau. Beim Mittagessen irgendwo im Nirgendwo trafen wir auf ein paar unverwegene Personen, die die Strecke mit dem Bike befuhren. Wahnsinn. Eine Wüste auf bis zu 5’000 m ü.M. mit dem Mountainbike zu durchqueren, darauf muss man erst mal kommen. Da die nächste Wasserquelle von unserem Mittagshalt rund 60 Kilometer entfernt war, waren die Radfahrer froh um jeden Deziliter, den wir beim Mittagessen übrigliessen. Zwischen sechs und zwölf Liter wurden für diese nächste Teiletappe pro Person gesattelt. Wir hatten zwar in unserem Gefährt auch nicht allzuviel Platz, doch tauschen hätte wohl keiner von uns wollen.

Als wir am Abend kurz vor unserer nächsten Übernachtungsstätte, einem «Hotel», welches vollständig aus Salz gebaut ist, einen Supermarkt besuchten, entdeckte Waldemar allerhand lustiger, einheimischer Biere (z.B. Quinoa-Bier, Kaktus-Bier, Koka-Bier) sowie Rotwein in Magnumflaschen. Kurzerhand kaufte er für ein paar gesellige Stunden am Abend den halben Laden leer. Als wir dann auch von unserem Fahrer noch eine Flasche Rotwein zum Essen spendiert bekamen, sahen wir uns schon mit einem leichten Getränkeüberfluss konfrontiert, bedachten dabei aber nicht, wie trinkfest Polen jenseits der 50er-Marke sein können. Irgendwann zwischen Bier und Wein fiel dann auch noch der Name Kamil Stoch. Somit war auch dieses Problem gelöst. Gratuliere, Margarete. Wo kein Google, hilft Alkohol.

Am nächsten Tag klingelte der Wecker bereits um 3.45 Uhr. Wer hat den ganzen Scheiss hier eigentlich geplant? Ziel war nun der Salzsee Salar de Uyuni. Der See, welcher rund 100mal so gross ist wie der Vierwaldstättersee, besteht vollständig aus Salz. Offiziellen Schätzungen zufolgen liegen rund 10’000’000’000’000 kg Salz einfach so rum. Der jährliche Abbau beträgt rund 25’000’000 kg, es dürfte also noch ein paar Jahre reichen. Beim Salzsee angekommen bestaunten wir den Sonnenaufgang über die Weite des Sees am Horizont. Wow.

Sonnenaufgang beim Salzsee Salar de Uyuni

Danach ging es weiter zum obligaten Fotostopp, wobei wir feststellen mussten, dass die Fotokunst keine einfache ist. Leider waren Hugos Kenntnisse in diesem Bereich weitaus schlechter als seine Songauswahl auf dem iPod. Nachdem die Nerven immer dünner und die Schmerzen immer grösser wurden – ja es schmerzt auf diesen Salzkristallen zu liegen, zu knien, zu sitzen – wurde das Projekt beendet und die Fahrt fortgesetzt. Die letzte Sehenswürdigkeit war der Zugfriedhof von Uyuni, wo zu Martinas Entsetzen («sie hed doch es Föteli welle») die Schaukel zwischen den Zügen vor ein paar Monaten aus Sicherheitsgründen demontiert wurde.

Man sieht zumindest, wie es gemeint ist...

In Uyuni trennte sich unsere tolle Truppe. Waldemar und Margarete fuhren gleich wieder zurück nach Chile (lieber ihr als wir), Konstantin fuhr weiter nach Potosí und Nicole, Martina und ich verbrachten den Nachmittag in Uyuni – welches ich im Übrigen gar nicht hässlich finde, Samira – um wichtige Sachen zu organisieren, wie z.b. Bargeld. Gar nicht so einfach, wenn die ersten beiden Bancomaten gar nichts ausspucken und der dritte ein Limit von umgerechnet 70 Franken – bei Spesen von 5 Franken – pro Bezug hat. Bienvenidos a Bolivia.

Via La Paz flogen wir weiter nach Rurrenabaque. Dort startete unser 5tägiges Dschungel-Abenteuer. Der Dschungel-Trip war eine Spontan-Idee bei einem Brainstorming mit mir selbst, was man in Bolivien noch so machen könnte. Von dem Kaff namens Rurrenabaque, welches seit kurzem leider eine asphaltierte Landebahn am Flughafen hat (die Graspiste wäre doch lustiger gewesen), fuhren wir mit dem Boot drei Stunden den Rio Tuichi entlang in den Dschungel. Dort angekommen bezogen wir unser Zimmer, welches wir fortan mit Tieren aller Art (Kakerlaken, Fröschen, Moskitos) teilen durften. Nachdem wir uns bei der Uyuni-Tour gemütlich in Deutsch unterhalten konnten, war nun Englisch angesagt. Mit uns in der Gruppe waren Ben aus Florida, Anwärter für den Weltrekord im Schnellsprechen und der Designer Stephen aus New York, welcher es sich mit 49 leisten konnte, sein Apartment zu verkaufen (mit über 1000% Gewinn in 12 Jahren) und nun planlos um die Welt tingelt, solange er will. Ein paar Anmerkungen seinerseits: «Anna Wintour is a b**ch», «Naomi Campbell is a legend», «Heidi Klum is not respected, she is just entertainment.» Jetzt wissen wir Bescheid. Unser Guide Wilman war des Englischen zwar auch ein wenig mächtig, hielt sich mit Infos jeglicher Art jedoch vornehm zurück, was zur Folge hatte, dass wir bei Anbruch der Touren jeweils selbst nicht wussten, was uns erwartet.

Eine neuerliche Spasstruppe.

So waren wir ein wenig überrascht, als wir am zweiten Morgen erfuhren, dass wir die zweite Nacht in einem Camp in der Wildnis verbringen würden. Schlafsack, Moskitonetz und Wasser wurden gepackt und die 3stündige Wanderung zum Camp in Angriff genommen. Dort angekommen stellten wir fest, dass wir immerhin einen Schutz vor allfälligem Regen hätten, ob wir allerdings vor den Jaguaren, welche es in dieser Gegend hat, wirklich gut geschützt wären, blieb fragwürdig. Zumindest für mich, der den äussersten Schlafplatz zugeteilt bekam.

Die Moskitonetze sind nicht so dicht, wie sie aussehen.

Nach einer erneuten 3stündigen Wanderung nach dem Mittagessen kehrten wir ziemlich durstig zum Camp zurück. Denn die pro Person bereitgestellten 2 Liter Wasser waren für sechs Stunden Wandern bei grosser Hitze und Feuchtigkeit halt doch eher knapp berechnet. Doch die Wasservorräte waren zu Ende. Aus. Finito. Somit blieb uns wie eingangs erwähnt nichts Anderes übrig, als das Wasser aus dem nahegelegenen Bächlein zu feinem Tee oder Kaffee zu verarbeiten – zumindest sah das Wasser in seiner natürlichen Farbe Kaffee schon sehr ähnlich.

Unser einziger Wasservorrat. Prost.

Die Nacht in der Wildnis verlief relativ ereignisfrei und ich war froh, dass Martina in dieser Nacht nur einmal die Freilufttoilette aufsuchen musste. Als grosser Beschützer musste ich nämlich den beiden Fräuleins auf der Tour das Eingeständnis machen, dass sie mich jedes Mal wecken dürfen, wenn Sie das Bedürfnis haben. Es könnte ja genau dann der Jaguar auftauchen…

Das sind die Spuren eines Jaguars - hat Wilman zumindest gesagt.

Als wir am nächsten Mittag wiederum von einer Tour zurückkehrten – jeder hatte inzwischen 3dl Wasser gekriegt von einer dem Geschmack zufolge schon seit Jahren im Wald versteckten Notreserveflasche – stellten wir mit Erstaunen fest, dass das Boot mit der Wasserlieferung ausgefallen war. Wieso konnte niemand so genau sagen. Da die Situation langsam ernsthaft unlustig wurde, vereinbarten wir mit dem Guide, dass er uns ein Boot herbestellt, mit dem wir nach dem Lunch ins Hauptcamp zurückfahren konnten. Als er uns versicherte, dass das Boot am Fluss bereitstünde machten wir uns auf den 20minütigen Fussweg dorthin. Doch ein Boot war weit und breit nicht zu sehen. Nach einer guten Stunde riss auch bei unserem Guide der Geduldsfaden und er baute sich kurzerhand ein Floss. Ob dieses Floss für ihn oder uns gedacht war, konnten wir leider nicht mehr herausfinden. Als Wilman damit nämlich fertig war, kam unser Boot um die Ecke gefahren. Bienvenidos a Bolivia.

Flossbauer am Werk.

Mit wieder gefülltem Wassertank sassen wir am nächsten Morgen bereits um 6 Uhr beim Frühstück. Um 6.30 Uhr war Abfahrt zum nächsten Camp, welches wir nach einer rund 2stündigen Bootsfahrt sowie einer 3stündigen Autofahrt auf einer unasphaltierten Strasse erreichten. Bereits bei Ankunft bemerkten wir die Hundertschaft Moskitos, welche sich in diesem Camp sichtlich wohlfühlten. Es gab aber durchaus auch Vorteile. Das Schönste am Programm war nämlich, dass wir bei diesem Camp die Tierbesichtigungen vom Boot aus durchführten, anstatt stundenlang durch den dichten Dschungel zu watscheln. So trafen wir uns mit unserem neuen Guide, Gilder, nach dem Mittagessen für eine 2-3stündige Bootsfahrt. Diese war, abgesehen von den lästigen Moskitos, wirklich wunderschön und wir entdeckten haufenweise Tiere wie Affen, Kaimane, Schildkröten und sogar rosa Flussdelfine. Es ergab sich für uns sogar die Möglichkeit, mit den Delfinen schwimmen zu gehen. Als wir zu dieser Stelle kamen, waren zwei Australierinnen bereits im Wasser. Dass eine von ihnen innert Minuten zweimal heftig von einem Delfin ins Bein gebissen wurde, ermutigte uns nicht wirklich und so beobachteten wir die Tiere weiter von Bord aus. Angeblich ist gerade Paarungszeit und da sind vor allem die Delfinweibchen besonders aggressiv unterwegs.

Ein Kaiman kam zu Besuch. Croco-Doc war jedoch nicht in der Nähe.

Nach rund 3 Stunden Fahrt meinte Gilder dann, dass wir jetzt umkehren und wieder zurückfahren. Hä? Die Bootsfahrt sollte doch 2-3 Stunden dauern? Es wurde immer dunkler und irgendwann dümpelten wir bei totaler Dunkelheit auf dem Fluss umher. Es bleibt uns bis heute ein Rätsel, wie unser Guide uns so sicher – mal von der gerammten schwimmenden Insel abgesehen – durch diesen Fluss führen konnte. Nach etwas mehr als 5 Stunden waren wir zurück. Gilder meinte, dass wir uns nun bis zum Abendessen um 19.30 Uhr ausruhen könnten. Dass 19.30 Uhr bereits gewesen war, schien er nicht bemerkt zu haben. Bienvenidos a Bolivia.

Der letzte Dschungeltag begann mit Auszählen der Moskitostiche. Mehrere hundert Stiche (pro Person versteht sich) zierten unsere Körper. Martina und Nicole machten sich noch auf zur – erfolglosen – Anaconda-Suche, währenddem sich mein seit zwei Tagen bereits angeschlagener Gesundheitszustand weiter verschlechterte und ich darauf verzichten musste. Am selben Abend noch brachte uns die Maschine der Amaszonas Airline wieder sicher zurück nach La Paz.

Amaszonas Airline - immer gerne wieder.

La Paz ist, obwohl weder die bevölkerungsreichste Stadt noch Hauptstadt, die wohl bekannteste Stadt Boliviens und eine der drei Städte in Südamerika, auf die ich mich am meisten gefreut habe. Eine chaotische, südamerikanische Stadt mit ganz viel Historie, wunderschön gelegen in einem Talkessel. Leider kam alles ganz anders. Nachdem ich, trotz Müdigkeit, bis morgens um vier Uhr nicht einschlafen konnte, die Schmerzen grösser wurden und inzwischen auch Fieber aufgetreten war, entschieden wir uns, einen Arzt ins Hotel zu holen, welcher mich nach ein paar Untersuchungen gleich in eine Klinik einweiste. Die Untersuchungen zeigten eine bakterielle Vergiftung, vermutlich Salmonellen. Noch einmal ein Gruss zurück an das «Wildschweinbächlein». Der Arzt hätte mich gerne noch eine Nacht länger im Spital behalten – was mich nicht verwunderte bei diesem Stundenansatz – doch ich entschied mich, nach 15 überaus langweiligen Stunden und 25 (!) verschiedenen Infusionen, Spritzen und Tabletten, ins Hotel zurückzukehren. Ich hatte ja noch zwei Pflegerinnen.

Diese machten dann noch eine geführte Stadttour, um doch noch etwas von La Paz zu sehen, nachdem sie am ersten Tag grossmehrheitlich auch nur den Weg zwischen Hotel und Klinik in Angriff genommen hatten. Den Umständen geschuldet besuchten wir in den nächsten Tagen in La Paz dann mehrheitlich die Sehenswürdigkeiten in fussläufiger Umgebung, wobei natürlich eine Fahrt mit der Gondelbahn in die höheren Gefilde von La Paz nicht fehlen durfte. Diese Gondeln wurden vor zwei Jahren in Betrieb genommen, um dem Verkehrschaos entgegenzuwirken. Stand heute mehr schlecht als recht. Vielleicht ändert sich das in naher Zukunft, denn es findet im Moment ein Ausbau von aktuell drei auf dannzumal zehn Linien statt.

La Paz von oben.

Nun geht die Zeit in Bolivien nach knapp zwei Wochen bereits zu Ende. Wir sind wieder zu zweit unterwegs, Nicole hat uns gestern Richtung Heimat verlassen. Fast unglaublich, was wir in so kurzer Zeit in Bolivien alles erleben durften. In diesem spannenden Land gäbe es sicher noch vieles zu entdecken, doch dies gibt es auch anderswo und somit heisst es für uns bald: Bienvenidos a Peru!

Coole Zeit zu dritt geht zu Ende.

4 Gedanken zu “Bienvenidos a Bolivia

  1. zwiler … wechsle mal deinen beruf! amüsiere mich jeweils prächtig! warte auf dein erstes buch 🙂
    ps: florens und ich sind an ostern 2 wochen in montanita, ecuador

  2. Hallo ihr zwei Weltenbummler
    Habe den von Benno erhaltenen Link natürlich stantepede angeclickt und Euren/resp. Philippes spannenden, amüsant süffig geschriebenen Reisebericht im Schnuz gelesen. Kompliment, liest sich, als sähe man einen unterhaltsamen Doku-Film!
    Weiterhin gute Reise und schöne, spannende Erlebnisse.
    Liebe Grüsse, Ursula

  3. Hoi Hüeti-tina und Philipp
    Bin ganz gliicher Meinig wies Muetti!
    Es Liebs Grüessli us Sachsle und wiiterhii schöni und spannendi Erlebniss! Hebed Sorg!
    Susanne und co

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